Besuch der Zentralen Stelle in Ludwigsburg

Am Freitag den 12. Juli 2019 haben die Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen und Brigitte Lösch zusammen mit Ingrid Hönlinger die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischen Verbrechen in Ludwigsburg besucht, welche heute noch der Mittelpunkt der Ermittlung gegen Kriegsverbrechen aus den Jahren 1939 bis 1945 ist.

Jens Rommel, derzeitiger Behördenleiter, leitete diese persönliche Führung durch das wenig bekannte Herzstück deutscher Geschichtsaufarbeitung. Nach der Begrüßung aller Beteiligten, folgte eine Zusammenfassung der Tätigkeiten und Aufgaben der zentralen Stelle, diese dient primär zur Ermittlung, nicht der historischen Forschung, obgleich letzteres oft ersterem folgt. Die Ermittlung basiert auf drei Grundfragen. Zuerst, was ist tatsächlich geschehen? Hier werden die Lebensumstände der gefragten Person ausfindig gemacht und festgestellt, ob die Tat im Rahmen der Zuständigkeitskriterien liegt, um dann die zweite Frage zu beantworten: Wer genau war an dem Verbrechen beteiligt?

Zuletzt werden die Schuldigen gesucht und es wird festgestellt, ob die gesuchte Person noch am Leben ist, da die meisten Schuldigen über 90 sind und ausschließlich gegen lebende Personen ermittelt wird, wird dies zunehmend schwieriger.

Jens Rommel erklärte außerdem das vier-Säulen-Prinzip auf dem die Stelle basiert. Die erste Säule stellt die Ermittlung dar, dies ist die Hauptaufgabe der Zentrale. Die zweite Säule basiert auf der Dokumentation und Forschung, ein Nebenprodukt der Ermittlung und entscheidend für die dritte Säule, die Informationsweiterleitung. Diese erfolgt durch Führungen und Ausstellungen.die letzte Säule steht für die Bildung und Pädagogik. Die zentrale Stelle beherbergt acht Ermittler und 21 andere Personen, unter denen sich Archivare und Dolmetscher befinden. Da die zentrale Stelle international arbeitet, dient sie auch als Vorbild für andere Staaten die ähnliche schreckliche Erfahrungen mit Genoziden gemacht haben und diese nun aufarbeiten möchten.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1958 weist die Außenstelle des Bundesarchivs trotz Widerstands auf Seiten der Bevölkerung und Politik viel Erfolg in der strafrechtlichen Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen auf. Im früheren Frauengefängnis befindet sich neben den Büros der Mitarbeiter auch ein provisorisches Archiv, welches analog betrieben wird und 1,7 Mio. Karteikarten, welche dokumentierte Fälle beinhalten, enthält.

Doch warum wurde nun solch eine spezialisierte Ermittlungsstelle gegründet? Nach Ende des zweiten Weltkriegs in 1945 wurde die deutsche Justiz mit dem Umfang der Verfahren gegen NS- Verbrechen überfordert. Vor allem mit Taten die ausserhalb von Deutschland begangen wurden konnten oft nicht ausreichend ermittelt werden. Nach dem Schwurgericht in Ulm 1958 wurde Material bekannt, welches darauf schließen ließ, dass die Verurteilung von NS- Verbrechen noch lange nicht vorbei sei und zudem ohne Bundesweiten Aufwand nicht zu bewältigen zu sein schienen. Mit der Kompetenz International zu ermitteln und Informationen zu erschließen, wurde die neue Institution von Justizminister Dr. Wolfgang Haussmann gegründet. Da der Vorschlag in großen Teilen Deutschlands auf Widerstand stoß und zudem wenig Platz war, wurde zufällig Ludwigsburg als Standort ausgesucht.

Da die zentrale Stelle unter der normal Bevölkerung eher wenig bekannt ist und im ersten Sinne nur als Behörde der Bundesjustiz gesehen wird, geht oft der Schatz welcher sich in ihrem Inneren verbirgt verloren. Denn neben spannenden Ermittlungen verfügt die zentrale Stelle auch noch über ein ausladendes Archiv, welches jeden Fall und Angeklagten dokumentiert.allein von 1945 bis 2005 wurde gegen 172.294 Personen namentlich ermittelt, all diese Daten befinden sich noch immer in der Zentralen Stelle und können mithilfe des analogen Systems jederzeit aufgerufen werden.

Bericht: Noomi Küchler

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