Die Deutsche Bahn muss sich neu aufstellen

Informationsabend in Kirchheim

Daniel Renkonen hatte am 30. Januar nach Kirchheim am Neckar eingeladen, um die Bürgerinnen und Bürger seines Wahlkreises über die Hintergründe der Probleme auf der Frankenbahn und im gesamten „System Bahn“ zu informieren. Zu Gast war der verkehrspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Matthias Gastel.

In der vollbesetzten Gaststätte zum Bahnhaus in Kirchheim am Neckar begrüßte zunächst Gemeinderätin Inge Schemminger die Gäste und berichtete über die Ärgernisse mit der Deutschen Bahn entlang der Frankenbahn: Verspätungen, Zugausfälle, kaputte Rampen, keine öffentlichen Toiletten an den Bahnhöfen… Auch Gastgeber Daniel Renkonen bestätigte, dass die derzeitige Situation auf der Strecke „frustrierend“ und „unhaltbar“ sei. Mit dem Rücktritt von Bahnchef Grube verbinde er allerdings die Hoffnung auf einen Neuanfang für das gesamte Unternehmen. Renkonen betonte, dass sich das Land bezüglich der Frankenbahn in einer schlechten Verhandlungsposition befinde. Schließlich sei der Übergangvertrag, den das Land mit der DB bis zur Übernahme der Strecke durch das Unternehmen Go-Ahead 2019 geschlossen hat, nicht einfach kündbar. Kein anderes Unternehmen sei in der Lage, in kurzer Zeit diese Strecke zu bedienen.

Worin liegen die Ursachen für die Probleme? Die Zugausfälle ergäben sich durch die hohe Anzahl an Krankmeldungen des DB-Personals. Die Störungen und Verspätungen lägen hauptsächlich darin begründet, dass die Deutsche Bahn „alten Schrott“ aus anderen Bundesländern auf die Strecke gebracht habe – Zugmaterial, das oft nicht miteinander kompatibel sei. Bis Frühjahr 2017 wolle die DB Regio aber das alte Wagenmaterial von der Schiene nehmen.

Problematisch sind die Störungen nicht nur für den einzelnen Pendler, sondern auch für das Thema Luftreinhaltung in Stuttgart. Erst wenn der Zugverkehr funktioniere, würden die Menschen verkehrsbeschränkende Maßnahmen wie Fahrverbote akzeptieren. Wir sitzen „in der Bahnfalle“, so Renkonen.

Die Landesregierung arbeite mit Hochdruck an der Lösung der Probleme, regelmäßige Treffen mit der DB Regio und Druck auf die Verantwortlichen müssten zu einer Besserung führen.

Hauptredner Matthias Gastel machte deutlich, dass die Ursachen der Probleme der DB teilweise weit in die Vergangenheit zurückreichen und struktureller Natur sind. So habe schon der frühere Bahnchef Mehdorn notwendige Investitionen verschoben – Züge, die bis heute fehlen. Außerdem habe die Bahn auch heute Probleme, neues Zugmaterial zu finanzieren.

Aus seiner Sicht muss die Bahn drei Dinge tun, um zukunftsfähig zu sein:
1. ihren Auftrag klären (Dividende? Umweltpolitische Ziele?)
2. an die Spitze eine Person setzen, die das komplexe System Schiene kennt
3. sich auf das Kerngeschäft fokussieren, so z.B. ihre LKW-Sparte abstoßen, die der Bahn selbst Konkurrenz macht und deren Gewinne nicht in die Schiene investiert werden

Hinzu kommt: Die DB fühle sich nur für Strecken verantwortlich, auf denen Fernzüge verkehrten; das ist bei der Frankenbahn nicht der Fall. Die Infrastruktur sollen laut Bahn die Länder finanzieren, obwohl dem Bund die Strecke gehört. So muss zum Beispiel der Engpass Zuffenhausen/Feuerbach wegen hoher Auslastung dringend ausgebaut werden. Stattdessen schöne die Bahn die Auslastungs-Statistik mit einer unrealistischen Rechenmethode.
Auch habe die schwarz-gelbe Vorvorgängerregierung viel zu spät mit der Ausschreibung der Strecke begonnen, sodass nun die Übergangsverträge notwendig geworden seien.
Mittlerweile hat Verkehrsminister Hermann einen Sonderbeauftragten für die besonders problematischen Strecken in Baden-Württemberg eingesetzt und die DB Regio abgemahnt.

, , ,
Vorheriger Beitrag
Pendler-Laune verschlechtert sich erneut
Nächster Beitrag
Grüne setzen nach Rücktritt von Bahnchef Rüdiger Grube auf einen Erhalt des Güterbahnhofs Kirchheim am Neckar

Ähnliche Beiträge

Menü