Tierische Rasenmäher sorgen für Artenvielfalt im Bottwartal

Bild oben (c) NatureLife-International

Die Schafskälte begleitet das Modellprojekt mit Wasserbüffeln in Großbottwar – Kultusministerin Eisenmann lobt „außerschulischen Lernort“ für Schüler

Während es draußen herbstlich kalt war, wurde drinnen im Weideunterstand warmer Kaffee mit Kuchen gereicht. Dann wechselten sich Theorie und Praxis über das modellhafte Wasserbüffelprojekt auf 12 Hektar in der Auenlandschaft ab. Der umtriebige Präsident von NatureLife International, Claus-Peter (C.P.) Hutter, hatte WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und PolitikerInnen zusammengetrommelt. „Es geht uns nicht darum, aus jedem Menschen einen Ersatzbiologen zu machen, aber wir wollen hier draußen zeigen, wie wichtig die Artenvielfalt für unsere vielfach ausgeräumte Landschaft ist.“ Da staunte auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nicht schlecht: „Ich habe heute gelernt, dass ein Kuhfladen, auf gut Deutsch, nicht nur ein Stück Scheiße ist“, sagte sie unter dem schallenden Gelächter der TeilnehmerInnen.

Unter ihnen weilten die beiden Landtagsabgeordneten Fabian Gramling (CDU) und Daniel Renkonen (Grüne). „Beide haben uns von Beginn sehr engagiert bei unserem Weideprojekt unterstützt. Hierfür danke ich Euch“, lobte Hutter.

Auf dem Weg durch die von Schilfgürteln umsäumte Auenlandschaft blieb die Gruppe immer wieder an den vielen Kuhfladen der Büffelherde hängen. „Das ist der Nährboden für die Artenvielfalt auf diesem Gelände, betonte der Wissenschaftler Dr. Alois Kapfer. Er ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung naturnaher Weidelandschaften. Der Dung sei völlig schadstoffrei und gerade deswegen ein Anziehungspunkt für viele Insekten- und Käferarten. „Wir wissen, dass derartige Projekte zudem viele Heuschreckenarten anziehen, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Vogelarten sind. Professor Dr. Rainer Luick von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg ergänzte, dass die Politik den Ausbau vernetzter, extensiver Weidesysteme wie im Bottwartal viel stärker fördern müsse. Ansonsten gehe die biologische Vielfalt weiter zurück.
Derweil sind die beiden Landwirte Andreas und Uli Weigle mit ihrer genügsamen Herde mehr als glücklich. „Die Tiere haben den Standort hier sehr gut angenommen. Bei großer Hitze bräuchten sie allerdings große Wasserpfützen, um sich darin suhlen zu können.“

Großbottwars Bürgermeister Ralf Zimmermann wartet dagegen sehnsüchtig auf einen weiteren, tierischen Gast: den Storch. Denn er ist das Wappentier der Stadt. Bislang hat Meister Adebar aber regelmäßig einen großen Bogen um seine Stadt gemacht. Daran könnte nun ausgerechnet das Weideprojekt möglicherweise etwas ändern, denn in den Bottwarauen wartet künftig ein reichlich gedeckter Gabentisch auf die Vögel.

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