Zu Besuch bei der Müllverbrennungsanlage in Stuttgart-Münster

Müllverbrennungsanlage in Stuttgart entsorgt Haus- und Sperrmüll aus der ganzen Region – überschüssige Energie wird ins Fernwärmenetz eingespeist – 480 000 Tonnen jährlich verbrannt

Es ist ein imposantes Bauwerk mit einem 183 Meter hohen Schornstein: Die Müllverbrennungsanlage in Stuttgart-Münster ist nach dem Fernsehturm längst zu einem zweiten Wahrzeichen der Landeshauptstadt geworden. Sie symbolisiert auch den Ausfluss der Konsumgesellschaft, denn der Verpackungsmüllberg in Baden-Württemberg steigt stetig an. Ob Plastikbehältnisse, Matratzen oder ausrangierte Betten, alles landet im Schlund des Müllofens. Über gewaltige Krananlagen wird der Müll im Bunker zunächst verteilt, anschießend wandert er auf den Rost, wo er bei über 800 Grad Celsius verbrennt. „Wir müssen den Heizwert immer recht konstant bei 10 000 Kilojoule halten“, berichtete Guido Bauernfeind, Leiter der Anlage der EnBW gegenüber den staunenden Mitgliedern und Mitarbeitern des Arbeitskreises Umwelt/Energie. Unter ihnen der Abgeordnete Daniel Renkonen, der auch klimapolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

„Leider ist es uns bislang nicht gelungen, die Restmüllmengen und Verpackungsabfälle zu senken“, bedauert Renkonen. Die Folgen bekommen Bauernfeind und Rolf Seeger, Leiter Produktion der EnBW, in Münster täglich vor Augen geführt. Rund 480 000 Tonnen müssen die drei Verbrennungslinien jährlich verbrennen. Das ist der Haus- und Sperrmüll aus der Landeshauptstadt Stuttgart, den Kreisen Ludwigsburg, Esslingen, Rems-Murr und dem Enzkreis. „Unsere Anlage fährt am Anschlag“, berichtete Bauernfeind. Sollte der Worst Case eintreten und ein Müllkessel ausfallen, müsste der Abfall kurzfristig zwischengelagert werden. Dies ist kein Stuttgarter, sondern ein landesweites Phänomen. Nach Angaben des Umweltministeriums sind alle Anlagen zu fast 100 Prozent ausgelastet. Eine kleine Störung, und das Entsorgungssystem stünde auf der Kippe.

Allein in Stuttgart wird die Anlage täglich von etwa 185 Müllfahrzeugen angesteuert, jährlich sind dies über 46 000 Laster. Als Abfallprodukt fallen rund 3000 Tonnen hochgiftige Filter- und Feinstäube an, die im Salzbergwerk Bad-Friedrichshall-Kochendorf unter Tage sorgfältig deponiert werden müssen. „Das ist Sondermüll“, sagen Bauernfeind und Seeger. Etwa 22 000 Tonnen fallen als Schlacken an. Das sind mineralische Reststoffe, die im Bau wieder verwendet werden können.

Ein positiver Nebeneffekt der Müllverbrennung ist, dass die entstehende Abwärme ausgekoppelt und ins Fernwärmenetz der Stadt Stuttgart eingespeist wird. Das spart CO2-Emissionen ein und versorgt die Stadt mit Heizwärme und Warmwasser. Insgesamt hat das Fernwärmenetz der Stadt Stuttgart eine Länge von 566 Kilometern.

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