Zu Besuch beim Asylkreis Benningen

Am Freitag, 17. April 2015, besuchte der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen den Arbeitskreis Asyl und die Asylbewerberunterkunft in Benningen.

Neun Monate war Adnan auf der Flucht vor einer Untergruppe von Al-Quaida in Pakistan, die ihn gefangen genommen hatte. Seine traumatische Reise führte ihn unter anderem durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich bis nach Deutschland. Hier hofft  Adnan auf Asyl und einen Arbeitsplatz. „Hinter jedem Flüchtling steht eine Geschichte“, erzählt Heike Schmitt. Zusammen mit Karlheinz Hassis leitet sie den Arbeitskreis Asyl in Benningen und betreut ehrenamtlich 48 Asylbewerber aus 10 Nationen, die in der Unterkunft zwischen Benningen und Freiberg an der L 1138 leben. Weitere 10 Flüchtlinge sind dezentral in Wohnungen untergebracht. Mehr Kontakt zwischen Bürgern und Flüchtlingen hat sich der Arbeitskreis zum Ziel gesetzt. „Wir möchten ein Begegnungszentrum aufbauen“, betont Karlheinz Hassis. Auch hierfür ist der Verein auf regelmäßige Spenden angewiesen.

Grünen-Politiker Renkonen ist beeindruckt von dem großen Engagement des Vereins, der die Flüchtlinge in allen Bereichen ihres Lebens in Deutschland unterstützt. So bieten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel Deutschkurse an, unterstützen die Asylbewerber bei Asylanträgen und Behördengängen und helfen bei der Job-, Wohnungs- und Möbelsuche. Insgesamt 13 Arbeitsgruppen umfasst der Verein.

Auch zahlreiche Freizeit- und Beschäftigungsangebote werden angeboten. „Letztes Jahr haben die Flüchtlinge an einer Apfelpflückaktion teilgenommen“, berichtet Heike Schmitt. Aber auch Sportprogramme, Fahrradtouren, regelmäßiges Kegeln und Winterkleiderbörsen stehen auf dem Programm. Ein Highlight war die Mitwirkung der Benninger Asylbewerber als Komparsen an einem Filmprojekt der Filmakademie Ludwigsburg.

Trotz aller guten Angebote – lieber würden die Asylbewerber arbeiten und ihrem Tag eine Struktur geben. „Ich möchte nicht vom Staat leben, sondern ihm etwas zurückgeben“, meint Pervaiz, der ebenfalls aus Pakistan stammt. Doch fehlende Papiere, langwierige Verfahren und Hindernisse bei der Vergabe von Praktika würden dies oft verhindern, so die Ehrenamtlichen. Die Verkürzung des Arbeitsverbots im Zuge des Asylkompromisses sei aber ein wichtiger Schritt gewesen. Empört zeigen sich Karlheinz Hassis und Heike Schmitt über die Praxis in der EU, Flüchtlinge gemäß der Dublin III-Verordnung in Länder wie Italien und Griechenland zurückzuführen, obwohl dort inakzeptable Zustände für Asylbewerber herrschen würden.

Viele Flüchtlinge, so auch Adnan, bräuchten psychologische Betreuung. Heike Schmitt und Karlheinz Hassis begrüßen daher die Stärkung der psychosozialen Zentren durch die grün-rote Landesregierung; bisher stünden zu wenige Plätze für traumatisierte Flüchtlinge zur Verfügung.

Das Trauma intensiviert sich oft noch. „Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als mitzuweinen, wenn Flüchtlinge schlimme Nachrichten aus der Heimat erhalten“, so Heike Schmitt. Karlheinz Hassis bestätigt die starke Bindung zu den Benninger Asylbewerbern. „Sie sind wie Kinder für mich.“

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